Compoundschießen- aber richtig

Veröffentlichungen aus dem Bogensportmagazin.
Von Falk Thiele, Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft
von mir ein wenig be- und umgearbeitet.

1. Aufwärmtraining

Aus der Sportmedizin wissen wir heute, wie notwendig ein Aufwärmen/Mobilisieren ist.
Durch vernünftiges Aufwärmen und Mobilisieren werden wir unseren Körper immer optimal auf die bevorstehenden Belastungen vorbereiten.
Hinzu kommt noch das es durch die Dehnübungen nicht zu Muskelverkürzungen kommt und die Muskeln gedehnt und leistungsfähiger werden.
Hier nun 13.Übungen mit Bildern um es richtig zu machen, meine kleine Tochter Sophia zeigt uns wie es geht.

Hampelmann, kennen wir aus dem Kindergarten, um den gesamten Körper auf eine ordentliche Betriebstemperatur zu bringen.

1.Übung

Wir öffnen und schließen die Finger beider Hände schnell und fest zirka 20- mal.

2.Übung

Wir drehen das Handgelenk beider Hände 20-mal nach innen und 20-mal nach außen.

3.Übung

Wir halten die Hände etwa in Brusthöhe und drehen dann die Arme 20-mal nach außen, ohne dabei den Oberarm zugbewegen, da nur das Ellenbogengelenk beweget werden soll.

4.Übung

Wir machen mit den Armen große Kreise 20-malnach vorn und 20-mal nach hinten, dabei sind die Arme ganz gerade und die Finger nach außen gestreckt.

5.Übung

Wir bewegen beide Arme seitlich rechts und links am Körper vorbei und lassen beide Arme gerade. Beide Arme bewegen sich dabei synchron, die Hüfte dreht sich leicht mit, wieder 20-mal pro Seite.

6.Übung

Wir kreisen den Kopf, aber vorsichtig, nicht den Kopf in den Nacken legen. Wieder 20-mal nach links und 20-mal nach rechts. Zwischen durch aber mal richtung ändern, da es einen sonst vielleicht schwindelig wird.

7.Übung

Dies ist eine Koordinationsübung und regt die Gehirnhälften an. Diese Übung wird sogar in Kindergärten geübt, bevor sie die Kinder schwierige koordinative Aufgaben gestellt bekommen. Hiezu heben wir beide Arme so, dass die Ellbogen ungefähr zwischen Bauch- und Brusthöhe sind. Nun heben wir das linke Knie zum rechten Ellbogen, dann das rechte Knie zum linken Ellbogen.

Danach berühren wir mit der linken Hand den rechten Fuß hinter unseren Rücken, dann berühren wir mit dem rechten Hand den linken Fuß hinter dem Rücken. Nun heben wir wieder das rechte Knie zum linken Ellbogen und wiederholen die vorherige Übung in der gleichen Reinfolge. wichtig hierbei ist das überkreuzte berühren des Ellbogens mit dem Knie und der Hand mit dem Fuß. Auch diese Übung führen wir 20-mal aus.

8.Übung

Wir beginnen nun mit dem Dehnen. Dazu nehmen wir die Finger der linken Hand und ziehen diese mit den Fingen der rechten Hand nach hinten. Wir dürfen beim Dehnen nicht zu stark ziehen und auch nicht wippen. Gleichmäßiger Druck, der leichtes Ziehen verursacht, ist das Maß, nicht übertreiben! Auch beim Dehnen gilt die magische Zahl 20. Also 20 Sekunden jede Übung halten und dann den Druck langsam nachlasen. das gleich tun wir dann auch mit der rechten Hand.

9.Übung

Die nächste Übung dient auch der Dehnung des Armes. Hiezu drücken wir mit der rechten Hand die linke Hand nach unten und halten diesen Druck wieder für zirka 20 Sekunden. Das gleich gilt auch für die rechte Hand.

10.Übung

Nun legen wir die linke Hand auf die linke Schulter. Dann greifen wir mit der rechten Hand den linken Ellbogen und Ziehen diesen gerade nach hinten, um den Oberarm außen zu dehnen. das gleiche gilt für den anderen Arm. 20Sekunden halten.

11.Übung

Wir legen nun die linke Hand auf die rechte Schulter und schieben dann Ellbogen des linken Arms mit der rechten Hand nach hinten. Hierbei werden die Rückenmuskeln gedehnt. Das Gleiche gilt wieder für den anderen Arm. 20 Sekunden halten.

12.Übung

Wir legen die linke Hand über den Kopf auf das rechte Ohr. Ziehen den Kopf nun Nach links und schieben gleichzeitig die rechte Hand richtung Fußboden. je nähr die rechte Hand an der Hose anliegt, desto größer ist der Zug. Das gleiche gilt wieder für die andere Seite und auch wieder 20 Sekunden halten.

13.Übung

Wir nehmen unseren rechten Arm in Schulterhöhe und drücken uns dabei zum Beispiel an einer Wand ab. Wir drehen nun den Oberkörper nach links bis wir ein Ziehen im Bereich des rechten Brustmuskels fühlen.

Nun, das war's schon! Wer diese Übung vor dem Training und Turnier durchführt, wir in Zukunft auch viel entspannter schießen. nach dem Training oder Turnier braucht ihr nur die Dehnübungen durchführen, das reicht um die Muskeln schneller regenerieren zu können.

Hampeln zum Lockern der Muskeln Alles baumeln lassen zum Beruhigen und Entspannen

 

Wie wichtig eine gute Haltung beim Bogenschießen ist, kann man gar nicht oft genug erwähnen.
Immer wieder sieht man auf Turnieren Schützen mit fragwürdiger Haltung und hört auch immer wieder von Verletzung am Ellbogen und Schultergelenk.
Zur Zeit habe ich gerade den ersten koreanischen Bogenschützen zur Ausbildung für das Compoundschießen.
Dieser hat bereits fünf Jahre Recurvebogen in der koreanischen Nationalmannschaft geschossen und soll nun als Mitglied der Nationalmannschaft für Korea als Erster das Compoundschießen richtig erlernen.
Bei ihm kann man deutlich sehen, was eine gute Ausbildung ausmacht.
Er hat bereits mit dem Recurve zwischen 1320- 1350 Ringe in der FITA Runde geschossen.
Was aber viel interessanter als sein Ergebnis ist, ist die Tatsache, wie perfekt er schießtechnisch ausgebildet worden ist. 
Er hat zum Beispiel genau nach der Teillehrmethode das Schießen erlernt. Faktoren wie hohe Schulter, kurzes Nachhalten, schlechten Stand und schiefe Körperhaltung kennt er nur vom Erzählen. 

Nach zehn Tagen Training (täglich 500-700 Schuß), zwei Stunden Krafttraining, dreimal die Woche
 Ausdauertraining, nur Sonntags frei schoss er bei einer Leistungskontrolle mit Carbonschäften auf 18 Meter auf Anhieb 289 Ringe. Auf 30 Meter einen Tag später auf Anhieb 359 Ringe. 

Natürlich stand am Anfang die Technik im Vordergrund und auch die Tatsache geklärt, dass der Rohschaft auf 30 Meter genauso in der Zehn steckt wie der befiederte Schaft. 

Wichtig ist die Erkenntnis, dass, wenn man technisch perfekt geschult worden ist, auch jederzeit reproduzierbare Ergebnisse schießen kann.
Das ist auch die Motivation für mich, Ihnen auf diesem Wege immer und immer wieder die richtige Schießtechnik zu vermitteln.
Körperschieflage, abgewinkelter Bogen­arm und andere Dinge, die bereits vor 20 Jahren falsch waren, sollten heute wohl kaum noch Anwendung finden.
Sollten Sie irgendwelche Fragen haben und irgendetwas unklar sein können Sie mich über das BSM jederzeit kontaktieren und ich helfe ihnen gerne weiter. 

Zur perfekten Technik: 

  Haltung + Schulterposition: (Bild 1)

 

Parallelen Stand, wie in der letzten Ausgabe beschrieben. 

Schwerpunkt nach vorne verlagern, Zehen auf den Boden pressen, aber nicht den Kontakt hinten am Fuß verlieren, nur das Gewicht nach vorn verla­gern 

 Schulter nach unten hängen lassen und fixieren. Dazu muss man natürlich den Latissimus anspannen. Das ist der Muskel, der unter der Achselhöhle sitzt und der in dieser Art und Weise noch nie genutzt worden ist. Daher ist es wichtig, des den Schützen ohne Belastung in Form eines Bogens durchführen zu lassen. Sobald man nämlich ein Gewicht vorn zu halten hat, ist man schnell geneigt, mit der Schulter nach oben zu wandern.

Arme anheben bis auf Schulterhöhe. Dies, ohne die Schulter zu heben. 

Der Schultergürtel bleibt offen und weit. Auch diese Übung fünf bis zehn Sekunden halten, spüren und beobachten. Ein Spiegel ist ein gutes Hilfsmittel zum Visualisieren der Elemente. So kann man dem Schützling nämlich zeigen, wie er da steht. Ein Spiegel sollte in jedem Verein vorhanden sein, um den Schützen einzelne Teile der Elemente darstellen zu können. Vielen von uns ist geholfen, wenn man einmal selbst sieht, wie man dasteht. 

  

Kopfhaltung und Anker: (Bild 2)  

 

Stand, Haltung und Schulterposition wie oben. 

 Kopf Richtung Scheibe drehen. 

 Kopf leicht zum Rücken neigen, Kinn zeigt Richtung Bogen. 

 Zugarm angewinkelt. Obere Hand­kante unter den Kiefer angelegt. Keinen Luftspalt zwischen Kinn und Handkante lassen (fester Anker). In Deutschland kann man häufig sehen, dass der Anker offen ist. Ein lockerer Anker ist der Garant für Probleme in der Höhe und Seite Sie sollten immer versuchen einen Anker zu haben, der zwischen Zeigefinger und weiteren Verlauf der Hand keinen Luft­spalt zulässt. Wer zulässt, dass ein Schütze einen offenen Anker führt, der nimmt Streuungen bei der Höhe und Seite in Kauf. Außerdem ist zu dem noch schwierig, In die Kraftlinie zu kommen. Eine enge Bogenführung mit festen Anker ist äußerst wichtig. 

Der Zugarm-Ellenbogen ist oberhalb der Kraftlinie angehoben. 

 Die Bogenhand ist oberhalb der Schulterlinie. Auch diese Übung wieder fünf bis zehn Sekunden halten, spüren und beobachten, dann entspannen und wiederholen. 

  

Bogenarmhaltung: 

Hilfsmittel ist eine Wandkante oder Pfosten. 

Schützling steht ca. eine Armlänge von der Wandkante oder dem Pfosten entfernt. 

 Hand an die Wandkante oder Pfosten andrücken. Die Fingerspitzen zeigen dabei nach oben. Ideal ist natürlich ein dünner Pfosten, da man hier die Hand wie am Bogen umlegen kann. Ich habe dafür extra ein Mittelteil genommen und es auf ein Gestell montiert, das in der Höhe verstellbar ist. So kann ich meine Schützen unter realen Vorgaben das richtige Gefühl vermitteln, ohne dass sie dabei den schweren Bogen halten müssen. 

Schultergelenk.  

Den Ellbogen mit der Bogenhand nach außen drehen, Druck auf dem Handballen, soweit wie möglich. Diese Übung dient dazu den Bogenarm Ellenbogen nicht zu nah an die Sehne zu bringen. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass die Koreaner ihre Schützlinge unter verschiedenen Winkeln der Bogenhand in Verbindung des Drehens des Ellbogens geröntgt haben und folgendes dabei festgestellt haben: lndem man den Ellbogen zusammen mit der Bogenhand nach außen dreht und den Druck auf den Handballen des Bogenarms in der Griffschale legt, ist gewährleistet, dass Kugel und Pfanne der Schulter kraftschlüssig werden und damit hohe Drucke wirken können, die stabil geführt werden. Wer seinen Ellbogen und Bogenhand nicht nach außen dreht, läuft Gefahr, dass es durch den Luftspalt im Schultergelenk zu Verletzung bei hohen Zuggewichten kommen kann. Dabei kann man auch erkennen, dass, wenn Ellbogen und Hand nach außen auf dem Handballen gedreht werden, je nach Schützen eine Winkel des Handrücken von 15 bis 30 Grad dargestellt wird. 

Auch diese Übung wieder fünf bis zehn Sekunden halten, spüren und beobachten. Auch hier sollte wieder der Spiegel zum Einsatz kommen.   

Zugbandhaltung: (Bild 3) 

  

Ausgangsposition wie bis zur Übung Kopfhaltung und Anker 

 Zughand liegt eng am Hals und Kieferknochen ( fester Anker) 

Zughand wird zum Hals gedreht, untere Handkante 

Die Schlaufe des Release liegt so fest an, dass bei Zug keine Bewegung nach vorn stattfinden kann, das Handgelenk aber entspannt bleibt. Der Lösefinger liegt entspannt am Auslöser an 

Ellenbogen oberhalb der Kraftlinie 

Ellenbogen der Zughand auf gleicher Höhe zur Rückenlinie langsam bewegen (Back Tension). Die Zughand bleibt dabei eng am Hals.

 

Anker und Rückenspannung: 

Diese folgenden Übungen werden mit einem Gummiband durchgeführt

 Die Anfangsspannung ( Länge des Gummibandes) so einstellen, dass der Schütze ohne sichtliche Kraftaufwendung das Gummiband bewegen kann

 Der Schütze führt jetzt alle Bewegungen mit dem Gummiband durch, die er vorher "trocken" erlernt hat. Reihenfolge wie vorher erklärt.

Der Unterschied zwischen Trockentraining und dem Training mit dem Gummiband besteht darin, dass er nun auch ein Gefühl für die Muskulatur entwickelt. Insbesondere für die Rückenmuskulatur, die an den Bewegungen beteiligt ist.

Schwerpunkt bei dieser Übung soll es auch sein, dass der Schütze unter gleichmäßig steigenden Zug den Zugellenbogen kreisförmig nach hinten bewegt und der Bogenarm dabei stetig dem aufbauenden Druck entgegen steht und fixiert bleibt. Bei der Zugbewegung darf sich die Schulter nicht heben.

Nachdem der Anker erreicht und fixiert ist, wird die Rückenspannung konstant gehalten und der Druck auf den Lösefinger leicht und stetig erhöht, bis das Release ausgelöst wird. Dabei bewegt sich der Zugellenbogen durch die freiwerdende Kraft der Rückenmuskulatur in gleicher Höhe nach hinten. Der Bogenarm, Kopf, Körper und Augen bewegen sich dabei nicht! Der Schütze soll nach dem Lösen noch ca. drei Sekunden die Restspannung im Körper ( Rückenmuskulatur) halten und fühlen (Nachhalten). Erst danach entspannt der Bogenschütze sich und beginnt erneut von vorne.

Erst wenn dies Übung mit dem Gum­miband so perfekt erlernt worden ist, dass der Trainer keine Mängel mehr feststellen kann, wird mit dem Nullbogen oder einem sehr leichten Bogen begonnen. Man kann ruhig einen Holzrecurvebogen nehmen und auch dort ein Peep-Sight benutzen und den Schützen so langsam an das Schießen mit dem Compound heranführen. Man sollte niemals vorher mit einem Bogen beginnen, da sich sonst Fehler einschleichen, die der Schütze ein ganz Leben beibehalten wird und die nur sehr schwer korrigierbar sind.

 

Schießtechnik mit dem Bogen

Wir beginnen zunächst den Schützen auszurüsten. Hier sollten einfache Dinge genügen. Einen Streifschutz, der eng anliegt, einen Köcher, aus dem man nicht die Pfeile verliert, ein Armschutz der dem Schützen angepasst ist. Das heißt, er sollte eng anliegen und nicht zu groß sein, eine Fincierschlinge (keine Bogenschlinge, do diese nicht in der Lage ist den Bogen zu halten, ohne dass der Schütze dabei die Kontrolle verliert) die dem Schützling ca. zwei bis drei Zentimeter Platz zwischen Bogen und Schlinge lässt und nicht so dünn ist, dass sie einschneidet. Ein Release, dass eng am Handgelenk anliegt und so eingestellt ist, dass der Lösefinger mit der Mitte des ersten Fingergliedes am Auslöser anliegt.

Hier werden sicherlich schon die ersten Fragen bei Ihren auftauchen, oder? Warum spreche ich von einem Handgelenkrelease mit Zeigefingerauslöser? Nun, am Anfang habe ich mir Gedanken darüber gemacht, welches Release am besten wäre. Dann habe ich darüber nachgedacht, dass wir seit Jahrhunderten mit Feuerwaffen schießen und diese mit dem Zeigefinger betätigt werden. Im Laufe von Ausbildungen bin ich dann auch auf Berichte von guten Pistolen- und Gewehrtrainern gestoßen, die zusätzlich bewiesen haben, dass das Lösen mit dem Zeigefinger sehr feinmotorisch geschehen kann. Hinzu kommt, dass man nicht sein Handgelenk verdrehen muss und viel natürlicher ankern kann.

Versuchen Sie doch einfach mal einen Eimer Wasser mit einem verdrehten Unterarm, wie er notwendig ist, um mit einem Daumenrelease zu schießen, anzuheben. Sie werden feststellen, dass dies viel verkrampfter geschieht. Also habe ich mich für das Zeigefingerrelease entschieden. Dass dies ein bewährtes Release ist, zeigen Topschützen wie Dejan Sitar, Weltmeister 2001     und Weltrekordhalter auf 70m mit 702 Ringen von 720, die französische Weltmeisterin aus Frankreich, die ein Zeigefingerrelease schießen. Oder die deutsche Vizeweltmeisterin Bettina Thiele. Ich habe aber auch auf vielen Internationalen Wettkämpfen festgestellt, dass mehr und mehr Schützen auf Zeigefingerrelease umgestiegen sind . Aber wie heißt es so schön: „Probieren geht über studieren".

Noch eine Anmerkung zum Release. 

Egal, welches Release man schießt, zucken kann man mit beiden. Denn das Zucken kommt nicht vom Release, sondern vom Gehirn in Zusammenarbeit mit zentralen Nervensystem und den zuständigen Muskeln. Eine Abfangbewegung, die vor dem Schuss geschieht. Doch darauf gehen wir später ein. Eine andere Alternative ist mit Sicherheit ein Backtensionrelease, das über den Rückenzug (Backtension) löst. Hier ist kein Auslöser befestigt, sondern durch den Rückenzug werden zwei Hebel frei gelegt, die dann zum Lösen führen. Vorteil bei diesem Release ist die Tatsache, dass man nicht mehr nach vorne kriechen kann, wenn man im Anker steht. Zum anderen vermeidet es die Goldangst auch Goldfreezing genannt. Goldfreezing bedeutet, dass man nicht in die Zehn gelangt und wie eingefroren unter dem Gold festhängt. Da diese Releases doch sehr teuer sind, sollte man am Anfang vielleicht erst einmal ein einfacheres Release probieren. Wer jedoch die Investition nicht scheut, ist damit bestimmt gut beraten.

Dann wird der Schützling erst einmal in den Bogen eingewiesen. Das heißt man erklärt die einzelnen Teile wie Wurfarme, Mittelteil, Sehne, Nockpunkt usw. Denn um etwas zu beherrschen, muss man auch seine Funktionen und Aufgaben kennen. Ist der Neuling erst einmal ausgerüstet und eingewiesen, kann es auch schon losgehen.

Übung mit Bogen ohne Visier, Peep-Sight und Pfeil:

Bevor man dem Schützen einen Bogen gibt, muss man sicher sein, dass die Auszuglänge stimmt und das 

Zuggewicht nicht zu hoch ist. Die Auszugslänge sollte man am besten mit einem leichten Recurvebogen (Nullbogen) feststellen, das Maß von Nockboden bis Pivotpoint messen und den Compoundbogen dementsprechend einstellen. Sollte der Schützling nicht genügend Kraft haben, um den Compoundbogen zu spannen, so kann man durchaus mit einem leichten Recurvebogen und einem Release beginnen.

Merke: Technik geht vor Auszugsgewicht!!!

Ein Compoundbogen sollte so gespannt werden, wie ein Recurvebogen. Wer sich verbiegen muss, um den Bogen zu spannen, hat mit Sicherheit einen zu schweren Bogen und wird auf die Dauer auch mit Verletzungen rechnen müssen. Außerdem schreibt auch mittlerweile die Sportordnung vor, dass ein Bogen so zu spannen ist, dass ein Schütze nicht die Scheibe beim Spannen verlässt. Man beginnt auf eine Entfernung von ca. fünf Meter ohne Auflage. Begonnen wird zunächst mit dem parallelen Stand. 

Dieser ist, wie vorher dargestellt, anzuwenden. Nun wird dem Schützling gezeigt wie er die Fingerschlinge um den Bogen legt. Gleich im Anschluss wird ihm die Hand so in die Griffschale gelegt, dass die Hand locker um die Griffschale greift, dabei sollte der Druckpunkt so gelegt werden, dass die Kraftlinie vom Bogen zur Hand die Verlängerung zur Eile und Speiche bildet. Die Finger liegen locker um die Griffschale und sind leicht geöffnet

Bild 1 a, 1 b.

Oftmals beobachtet man, dass die Schützen zu tief die Hand in den Bogen drehen, was zu einen Kontakt zwischen Bogenarm und Sehne führen kann. Also wer sich ständig gegen den Arm schießt, sollte doch mal seine Handposition in der Griffschale überprüfen. 

Wie so oft, kannte man auch bei unserem letzten Grand-Prix-Turnier erkennen dass Fehler in der Schießtechnik häufig erst unter Stress hervorkommen. Um so mehr bin ich doch sehr stolz auf unsere Damen und Herren, die mit ihrer sauberen Technik immer wieder begeistern. Die Serie, die ich schreibe, soll auch dazu beitragen, dass jeder die Technik bis ins Letzte erklärt bekommt. Mit gezieltem und richtigem Training kann man auch später gute Ergebnisse erzielen. Nach vorn zu kommen, und für einen Tag gut zu schießen, ist meist keine Kunst, auf Dauer oben zu bleiben jedoch schon. Konstanz und gute Ergebnisse werden nur durch eine perfekte Technik auf Dauer möglich sein. Beginnen wir nun dort, wo wir das letzte Mal aufgehört haben. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und die notwendige Ausdauer bei der Umsetzung.

Auszug und Anker:

Dann wird erklärt wie das Release anzulegen ist und die Platzierung an der Sehne erklärt. Die Schlaufe des Releases soll unter der Nocke anliegen. Der Lösefinger lieg gerade auf dem Release. Die Hand ist locker, entspannt und leicht gekrümmt Bild 1.

 

Nun wird der Schütze leichten Zug in die Zughand geben, um den Druckpunkt in der Griffschale besser zu fühlen (Vorspannung). Dabei darf sich die Zughand nicht verändert d.h. der Handrücken bleibt gerade und die Finger an der Stelle, wo sie vorher platziert waren. Unter dieser Vorspannung wird er wieder sein Körpergewicht soweit noch vorne verlagern, bis der Druck auf dem vorderen Teil des Fußes liegt Bild 2.

 

Nun wird der Kopf in Richtung Scheibe gedreht und leicht in den Nacken gelegt. Dann werden beide Arme soweit angehoben, bis der Bogen zwischen Schütze und Scheibe steht. Dabei ist es wichtig, dass der Schützling einen geraden Oberkörper beibehält und die Bogenschulter unten bleibt. Der Bogenarm bildet eine Linie vom Handgelenk, Unterarm, Bogenarm bis zur Schulter Bild 3.

 

Der Schützling spannt nun den Bogen, indem er mit der Bogenhand auf einen Punkt fixiert bleibt und unter gleichmäßigen Zug die Zughand eng zum Gesicht führt. Dabei darf der Kopf sich nicht bewegen. Der Zugarm muss hierbei in einer Linie noch hinten gezogen werden. Die Sehne wird eng ins Gesicht gezogen, dh. von vorne gesehen darf die Sehne keine Seitenbewegung machen und die Hand geht geradlinig zur Gesichtsmitte Bild 4.

 

Der Zugarm wird soweit nach hinten bewegt, bis Zugarmellbogen und Bogenhand eine Kraftlinie bilden. Hierbei muss man jedoch erwähnen, dass es Schützen gibt, die auf Grund eines kurzen Unterarms nicht in der Lage sind, diese Linie aufzubauen. Ein künstliches Überstrecken dieser Schützen wäre bestimmt am Ziel vorbei geschossen. Man muss als Trainer die individuelle Anatomie immer berücksichtigen. Ein fester Anker sollte jedoch immer gegeben sein. Die Zughand soll fest unter dem Kinn platziert sein. Hier ist zu beachten, dass es auch Menschen gibt, bei denen sich der Kinnknochen nicht horizontal noch hinten fortsetzt sondern noch hinten oben verlaufen kann. Wie auch immer, wichtig ist, dass die Zughand und der Kinnknochen einen festen Block bilden. So kann es durchaus sein, dass es Schützen geben wird, die den Ellbogen der Zughand hinten leicht anheben müssen, um einen Block bilden zu können. Diese Position für ca. drei bis fünf Sekunden halten. Danach den gleichen Weg zurück gehen und entspannen. Diese Übung so oft wiederholen, bis der Schützling die Übung ohne Anleitung durchführen kann.

 

Übung mit Pfeil und Bogen und ohne Visier:

Nachdem der Schützling in der Lage ist den Bogen richtig zu spannen und ein Gefühl für den Bogen erlangt hat, wird die Übung mit Pfeil und Bogen gelehrt. Ausrüstung und Bogen bleiben natürlich gleich, nur kommen letzt eben noch Pfeile in den Köcher. Diese sollten in einem solchen Zustand sein, dass der Schützling auch Spaß an der Sache hat. Krumme und unbefiederte Pfeile sind bestimmt nicht das Richtige. Nachdem der Schützling gelernt hat, wie der Pfeil auf der Sehne aufgenockt wird, kann es schon losgehen.

 Die Übung fängt mit den folgenden Elementen an:

Ab dem "Vorzielen" wird der Bogen unter gleichem Zug der Zughand gespannt. Bogenarm und Kopf bewegen sich hierbei nicht. Nun wird die Zughand bis zum Berühren des Kinns eng zur Gesichtsmitte gezogen. Wenn der Schützling das Kinn berührt, schaut er auf die Zughand. Der Zug auf das Release wird erhöht und die Zughand bewegt sich langsam nach hinten. Nun wird unter leichtem, gleichmäßigem Druck auf den Auslöser ausgelöst. Gleichzeitig bewegt sich die Zughand eng am Hals nach hinten. Kopf und Bogenhand bewegen sich nicht und der Bogen springt aus der Hand in die Fingerschlinge. Sinn dieses Lösen vor dem Erreichen des richtigen Ankers ist es, dem Schützen zu visualisieren, was beim Lösen geschieht und die Angst davor zu nehmen.

Diejenigen von uns, die es am Anfang falsch erlernt haben, können sich bestimmt noch daran erinnern, wie groß die Angst vor dem Lösen war. Der Anfänger kennt dieses Gefühl einfach nicht und hat Angst eine Sehne zu lösen, die unter Spannung an seinem Gesicht anliegt. Ist die Angst erst einmal genommen so wird der Schütze von Anfang an richtig und entspannt lösen. Kein Mensch kann entspannt handeln, wenn er Angst vor etwas hat.

Der Schützling hält jetzt noch die Restspannung und hält ca. drei Sekunden nach. Erst dann wird der Bogenarm nach unten genommen und entspannt.

Auch diese Übung wird solange geübt, bis der Schützling sie gleichförmig ausführen kann und keine Reflexe mehr zu sehen sind.

Nachdem der Schützling die Übung beherrscht, wird der Auszug kontinuierlich verlängert, bis er zum richtigen Ankerpunkt kommt. Hierbei ist es wichtig, dass die Sehne an der Seite der Lippen anliegt und an der Nasenmitte anliegt (bedingt durch den steilen Sehnenwinkel) und die Zughand einen festen Block zum Kinn bildet. Um dieses Gefühl zu festigen, ist es ratsam den Schützen diese Position für ca. drei bis vier Sekunden halten zu lassen, bis der Schütze ruhig steht. Ein Spiegel ist hier zur Selbstkontrolle ratsam. Erst wenn Ruhe zwischen Schützen und Bogen vorhanden sind, wird durch Erhöhung der Anspannung des Beugemuskels des Lösefingers ausgelöst. Die Zughand wird durch die freiwerdende Belastung und den angespannten Rückenmuskel nach hinten gleiten. Die Zughand sollte dabei eng am Hals nach hinten geführt werden. Der Bogen springt wieder aus der Hand in die Fincierschlinge. Nach dem Lösen wird die Restspannung im Körper für ca. drei Sekunden gehalten und nachgezielt.

Auch diese Übung wird so oft durchgeführt, bis der Schützling reflexfrei und gleichförmig die Übung beherrscht. Wie oft er diese Übung wiederholen muss, liegt daran, wie talentiert der Schütze ist. Auf keinen Fall zur nächsten Übung über gehen, wenn die Vorherige nicht perfekt eintrainiert ist.

Mit Freude melde ich mich von der WM aus New York zurück und möchte mich auf diesem Wege bei meinen Sportlern bedanken, die durch ihre saubere Schießtechnik, mutiges Schießen und Spaß am Sport wieder einmal bewiesen haben, dass auf Dauer nur der Spaß am Sport und die Einhaltung der Technik zum Erfolg führen.

Aber Nun zu euch. Wir werden heute weiter beim Thema Technik bleiben Nach dieser Serie werde ich auch mal ein paar Tipps zum Thema Wettkampfverhalten und Einstellung zum Wettkampf ansprechen Zunächst möchte ich jedoch mit euch beim Thema Technik bleiben. Denn richtig Spaß macht es nur wenn man auch weiß wovon man spricht.

Das Schießen mit Visier und Peep:

Wir befinden uns im Anker. Erst wenn Ruhe zwischen Schützen und Bogen vorhanden ist, wird durch Erhöhung der Anspannung des Beugemuskels des Lösefingers und unter Fortführung der Erhöhung der Rückenmuskeln ausgelöst. Dabei bleibt der Bogenarm fixiert Kopf und Augen bewegen sich beim Lösen nicht! Die Zughand wird durch die freiwerdende Belastung und den angespannten Rückenmuskel nach hinten gleiten. Die Zughand sollte dabei eng am Hals nach hinten geführt werden, was wiederum nur mit einem festen Anker funktionieren wird. Der Bogen springt wieder aus der Bogenhand in die Fingerschlinge. Nach dem Lösen wird die Restspannung im Körper für ca. drei Sekunden gehalten und nachgezielt Nachzielen beinhaltet, dass die Augen weiterhin ins Ziel schauen, der Bogenarm fixiert auf der Scheibe bleibt, die Restspannung im Rücken gehalten wird und die Lösehand eng am Hals bleibt.

Nachhalten ist eines der Elemente, welches zu häufig vernachlässigt wird. Richtig erlernen kann man es aber am besten am Anfang. Hier wird oftmals die Wichtigkeit nicht erkannt. Zum Nachhalten dient auch eine Fingerschlinge (für Mittelfinger und Daumen) für die Bogenhand. Ich persönlich halte nichts von Bogenschlingen und Armschlingen, da diese meist nicht in der Loge sind, den Bogen so zu führen/halten, dass er dabei in der Hand sich abstützt, sondern der Bogen meist durchrutscht und sich der Schütze sogar verletzen kann. Eine Alternative ist auch ein Schnürsenkel, aber bitte ein breiter. Zu schmale schneiden in die Haut ein.

Zurück zur Technik. Auch diese Übung wird so oft durchgeführt bis der Schützling reflexfrei und gleichförmig die Übung beherrscht. Wie oft er diese Übung wiederholen muss, liegt daran wie talentiert der Schütze ist. Auf keinen Fall zur nächsten Übung übergehen, wenn die vorherige nicht perfekt eintrainiert ist. Bevor man mit dem Visier schießt, solltet ihr dem Schützen das Visier auch erklären. Hier muss er verstehen, wie es gehandhabt und eingestellt wird. 

Immer wieder kann man beobachten, dass Visiere nicht beherrscht werden. Darum ist es wichtig, dass der neue Schütze die Funktionen kennt. Zum Zielen gehört natürlich auch eine Auflage. Auf einer Entfernung von ca. fünf Meter solltet er eine Auflage wählen, die groß genug ist, um am Anfang ruhig zielen zu können, umdas übergenaue Zielen am Anfang zu vermeiden. Um dem Schützen das Zielen zu erklären, hält man zunächst den Bogen so, dass der Schütze das Scope und Peep-Sight sehen kann. Er sollte von hinten auf den Bogen schauen und beides sehen können, damit er sich vorstellen kann, wie es im Vollauszug aussehen sollte (Bild 1 ).

Wir steigen wieder bei der Vorspannung / Vorzielen ein (Bild 2).

 

Ab hier sollte schon das Scope in der Scheibenmitte sein. Der Schützling hält die Position, bis eine gewisse Ruhe zu sehen ist. Nun wird die Sehne eng zum Hals geführt und versucht, dass das Scope in seiner zentrischen Lage auf der Scheibenauflage bleibt. Beim Erreichen des Ankers kann nochmals fein korrigiert werden um mit dem Scope und Peep-Sight in die Scheibenmitte zu gelangen. Der Ring des Scopes (Scopegehäuse) und des Peep-Sight (äußere Ring des Peep-Sight) sollte deckungsgleich sein und sich in einer Flucht befinden. Oftmals habe ich gesehen, dass Schützen ein zu kleines Peep hatten und nur die Wasserwaage und ein Teil von Scopeglas sehen konnten . Damit kann man natürlich nicht feststellen, ob das Scope zum Peep in einer Achse liegt. Sinnvoll ist es auch dass man bei durchsichtigen Scopes den Klarsichtrand (der zum Schützen zeigt). mit einem Filzstift kenntlich macht, indem man ihn schwarz anmalt. Somit hat man einen besseren Vergleich zwischen Scoperand und Peep-Sight.

Nun aber wieder zurück zur Technik. Dann wird die Rückenspannung stetig erhöht und die Muskulatur des Lösefingers stetig angespannt bis das Release auslöst. Dabei ist es unsinnig von einem unbewussten Lösen zu sprechen. Lediglich der genaue Zeitpunkt, wann das Release öffnet, ist nicht genau bekannt. Die Erhöhung der Rückenspannung ist eine sehr bewusste Tätigkeit. Olympiasieger mit dem Gewehr haben mir erzählt, dass sie manchmal Schüsse erlebt haben, bei denen sie gedacht haben, der ging von alleine raus. Das hat jedoch nichts mit unbewussten Lösen zu tun. Diese stellt für den Schützling eine zusätzlich Bewegungsaufgabe dar. Durch die stetige Erhöhung des Drucks auf den Lösefingers kommt es zum Auslösezeitpunkt, den man nicht genau bestimmen kann. Es handelt sich dabei aber nicht um ein unbewusstes Lösen, do diese Druckerhöhung sehr bewusst passiert. Der Schütze kann eben nicht bestimmen, wann gelöst wird. Das beschränkt sich aber nur auf das Zeitfenster, nicht auf die Bewegung. Ein sogenanntes »Punchen« wird damit unterbunden. Punchen bedeutet, dass der Schützling den Lösefinger entfernt vom Auslöser im Anker hält und auf den Auslöser mit dem Lösefinger schlägt, sobald er sich der Scheibenmitte nähert. Dabei kommt es zu Bewegungen, die im Abschuss nicht gewollt sind. Denn jede Bewegung, die wir bei Lösen mit der Zughand machen, überträgt sich auch auf die Bogenhand. Dos ganze kommt daher, weil der Compoundbogen im Anker sehr wenig Zug nach vorn hat und faktisch sehr instabil ist. Die Zughand bewegt sich wieder eng am Hals nach hinten, der Bogen springt wieder in die Fingerschlinge und die Restspannung wird wieder gehalten. Das Nachholten endet noch ca. drei Sekunden. Danach wird der Bogen wieder abgesetzt und der Körper entspannt (Bild 3).

 

Auch diese Übung wird so oft durchgeführt bis der Schützling reflexfrei und gleichförmig die Übung ausführen kann. Dazu gehört natürlich auch, dass Bogenarm, Kopf und Augen sich im Abschuss nicht bewegen. Nur wer von Anfang an gelernt hat, den Bogenarm im Abschuss abzufangen, kann später auch einen stabilen Bogenarm erwarten. Oftmals werden solche wichtigen Elemente in der Anfangsausbildung jedoch vernachlässigt. Meistens schafft man es kaum, diese Fehler später wieder zu beheben. Erst in Stresssituationen kommen meist diese Fehler zum Ausbruch und wirken sich natürlich gravierend auf das Ergebnis aus. Um so etwas zu vermeiden, möchte an Sie appellieren, die Anfangsausbildung nicht zu kurz zu gestalten. Eine intensive Betreuung des Anfängers ist dabei sehr wichtig.